Diskussionsthema „Chancen“

Moderation: Prof. Dr. Sylke Hilberg/FBW und Hilmar Nauman/Umweltministerium Saarland, Bericht: Dr. Thomas Rinder, Universität Salzburg

Unter dem Aspekt der Chancen wurde das Thema Grubenwasseranstieg aus zwei Perspektiven diskutiert: Den Chancen, die sich ergeben können, wenn der Status Quo, also Wasserhaltung wie bisher, beibehalten wird, wurden jene möglichen Chancen gegenüber gestellt, die die Teilnehmenden im kontrollierten Grubenwasseranstieg bis zu den derzeit beantragten -320 mNN bzw. auch bis zum freien Auslaufen und der völligen Einstellung der Wasserhaltung sehen.

Als Chancen im Status Quo wurden neben der generellen Risikovermeidung (z. B. keine Trinkwassergefährdungen, keine Vernässungen) vor allem auch die Möglichkeiten der energetischen Nutzung in Form tiefer Geothermie und der Errichtung von Pumpspeicherkraftwerken genannt. Zudem wurden die Erreichbarkeit der Lagerstätte und damit die Möglichkeit einer zukünftigen Wiederaufnahme der Kohleproduktion als mögliche Chancen genannt. Kontrovers wurde diskutiert, ob die dafür erforderliche dauerhafte Wartung der Grubengebäude als langfristiges Potenzial für Arbeitsplätze zu sehen ist oder, da aus dieser Aktivität keine Wertschöpfung generiert werden kann, daraus vielmehr eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Belastung erwächst.

Deutlich umfangreicher und vielfältiger sahen die Diskussionsteilnehmenden das Spektrum an Chancen, das ein kontrollierter Grubenwasseranstieg bieten kann. Dies wurde von einigen Teilnehmenden als Überraschung empfunden, scheint es doch im deutlichen Gegensatz zur öffentlichen Berichterstattung zu stehen. Nachfolgend sind die diskutierten Chancen eines kontrollierten Grubenwasseranstieges unter zusammenfassenden Aspekten aufgeführt.

  • Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde von zahlreichen Diskutanten genannt. Nur ein Zustand, der ohne permanente menschliche Eingriffe funktioniert, führt dazu, dass die Verantwortung für Bergbaufolgen nicht an folgende Generationen weitergegeben werden muss. Ein kontrollierter Anstieg unter Nutzung des jetzt noch vorhandenen Expertenwissens kann bei Problemen jederzeit unterbrochen werden, sofern sich bisher nicht identifizierte Probleme zeigen. Ein späterer unkontrollierbarer und vielleicht ungeplanter Anstieg könnte die nachfolgenden Generationen dagegen vor große Probleme stellen.
  • Energieeinsparung und damit verbunden die Vermeidung von CO2-Emissionen wurde als weitere wesentliche Chance genannt. Dies sind Faktoren, die ebenfalls unter dem Oberbegriff der Nachhaltigkeit verbucht werden können.
  • Für die Forschung bietet sich die große Chance, den Grubenwasseranstiegsprozess wissenschaftlich zu begleiten und dabei wichtige Erkenntnisse zu Hydraulik und hydrogeochemischen Prozessen zu gewinnen.
  • Ökologische Verbesserungen durch die Renaturierung und das Freiziehen zahlreicher Fließgewässer durch die Beendigung von Grubenwassereinleitungen oder auch das Wiederanspringen von Quellen, die in der Vergangenheit trockengefallen sind, wurden als Chancen genannt. Dabei wurden gleichzeitig aber auch die daraus evtl. resultierenden Probleme, wie Flächenvernässungen diskutiert.
  • Generell werden in den monetären Einsparungen, die sich aus verringerten Aufwendungen für die Grubenwasserhaltung ergeben, große Spielräume für ökonomische und ökologische Entwicklungen für die Region erkannt. Dazu gehört auch die Möglichkeit einer alternativen Flächennutzung auf den vom Bergbaubetrieb befreiten Flächen.

Die Diskussion offenbarte einen generellen Konsens darin, dass ein zeitnaher kontrollierter Grubenwasseranstieg Vorteile gegenüber der Beibehaltung des Status Quo eröffnet. Begleitende Forschung, Monitoring und die Möglichkeit der Experten, jederzeit in den Prozess eingreifen zu können werden als Chance gesehen, die jetzt besteht, zukünftigen Generationen aber nicht mehr zu Verfügung stehen würde. Einsparungen, die sich aus dem verringerten Aufwand zur Grubenwasserhaltung ergeben, sollen in der Region Spielräume für ökologische und ökonomische Verbesserungen schaffen.

Mitglieder

Felix, qui potuit rerum cognoscere causas. (Auf Deutsch: Glücklich ist, wer die Ursachen der Dinge erkennen konnte.)

Virgil
Dir. u. Prof. a.D. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Wilhelm Struckmeier, Vorsitzender des Kuratoriums

Dir. u. Prof. a.D. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Wilhelm Struckmeier, Vorsitzender des Kuratoriums

Veränderungen begünstigen nur den, der darauf vorbereitet ist

Louis Pasteur
Prof. PD Mag. Dr. nat. techn. Sylke Hilberg

Prof. PD Mag. Dr. nat. techn. Sylke Hilberg

Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist.

Christian Morgenstern
Rainer Lüdtke, Leiter Wissenschaftsstiftungen Deutsches Stiftungszentrum

Rainer Lüdtke, Leiter Wissenschaftsstiftungen Deutsches Stiftungszentrum

Es ist die Neugier, die mich antreibt, nichts als die schiere Neugier.

Thomas Reiter
Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Christian Melchers, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums

Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Christian Melchers, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums

Den Fortschritt verdanken wir Menschen, die entweder gefragt haben: ‚Warum?‘ oder ‚Warum nicht?‘

Robert Lembke
Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Maria-Theresia Schafmeister

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Maria-Theresia Schafmeister

Was das Blut für den Menschen, ist das Wasser für die Erde.

Hermann Lahm
Prof. Dr. rer. nat. habil. Georg H.E. Wieber

Prof. Dr. rer. nat. habil. Georg H.E. Wieber

Ich betrachte Grubenwasser als künftige Energie- und Rohstoffquelle und nicht als Abfallstrom.

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Christian Wolkersdorfer

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Christian Wolkersdorfer

Mehr erfahren