Diskussionsthema: „Erfahrungen“

Moderation: Prof. Dr. Christian Wolkersdorfer/FBW und Dipl.-Geol. Thomas Walter/Umweltministerium Saarland, Bericht: Elke v. Hünefeld-Mugova

Erfahrungen zum Thema Grubenwasseranstieg (üblicherweise als Grubenflutung bezeichnet) sind in Abhängigkeit vom eigenen Standpunkt entweder positiv oder negativ besetzt. Sie werden oft emotional, seltener auch sachlich und nüchtern betrachtet und sind wesentlich durch die vor-Ort-Diskussion geprägt.

Zu Beginn der Diskussion stellten die beiden Moderatoren zunächst internationale und nationale Erfahrungen zur Flutung von Steinkohlebergwerken vor. Sie zeigten, dass während des Wasseranstieges in den Bergwerken das Monitoring und Frühwarnsysteme bedeutend sind und dass die Grubenflutung international und national ein anerkannter Vorgang nach der Stilllegung von Bergwerken ist. Im Verlauf der Diskussion fragten die Teilnehmenden, ob sich internationale Erfahrungen und Erkenntnisse übertragen lassen und welche Besonderheiten das Saarland aufweist. Sie liegen vorwiegend in den speziellen geologischen Verhältnissen, gleichwohl seien bisherige Erfahrungen teilweise übertragbar.

Die Ausbildung einer Dichteschichtung im Grubenwasser ist zurzeit ein Untersuchungsschwerpunkt. Sie sollte in die Maßnahmen zum Flutungsprozess einbezogen werden. Natürliche Analogien sind z. B. Dichteschichtungen in der Tiefsee, die über lange Zeit bestehen. Zudem werden Erkenntnisse aus der Flutung der Kaligrube Hope bei Hannover in den 1980er Jahren bei der Entwicklung des Grubenflutungskonzeptes hinzugezogen.

Einige Teilnehmende interessierte, was mit dem Grund- bzw. Grubenwasser geschieht und wie die hydraulischen Verbindungen beschaffen sind. Weitere Fragen betrafen die gemessenen Wasserparameter und die Behandlung des austretenden Wassers, vor allem in Frankreich. Dieses, so die Moderatoren, wird durch ein umfangreiches Monitoring mit Frühwarnsystemen überwacht, sodass bei Unregelmäßigkeiten sofort geeignete Gegenmaßnahmen getroffen werden können. Einige der Maßnahmen, die ergriffen werden können, sind aktive oder passive Reinigung von Grubenwasser, wobei in einem konstruierten Feuchtgebiet die „Natur als Filter“ eingesetzt wird. Internationale Erfahrungen dazu liegen beispielsweise aus Frankreich, Portugal, Spanien oder England vor. Diese werden regelmäßig auf den jährlichen Tagungen der International Mine Water Association (IMWA) sowie deren Webpage vorgestellt und diskutiert.

Auf die Frage, warum eine schnelle Flutung sinnvoll ist, wurde geantwortet, dass diese eine Verminderung von chemischen Prozessen nach sich zieht und somit am Ende eine bessere Grubenwasserqualität erreicht wird. Dabei kam auch das Phänomen „first flush“ („Erstspülung“) zur Sprache, ein charakteristischer Prozess, bei dem die Konzentration von Schadstoffen zunächst stark ansteigt, aber bei kontinuierlicher Grubenflutung schnell wieder abnimmt.

Aus dem Wechselspiel von Fragen und Antworten der Teilnehmer ergab sich, dass bei regelmäßigem Monitoring (unter anderem durch Markierungstests) und dem Einsatz von Frühwarnsystemen ein kontrollierter Wasseranstieg generell als unproblematisch anzusehen ist. Probleme treten in der Regel bei unkontrollierter Flutung auf, z. B. infolge einer plötzlichen Aufgabe des Bergwerks ohne Überwachung. Bei kontrollierter Flutung ist jederzeit ein Eingreifen möglich, indem steuernde Schritte wie beispielsweise Pumpen oder Zementinjektionen eingeleitet werden können. Ein Beispiel ist das Uranbergwerk M. Mayerova in der Tschechischen Republik, bei dem Anfang der 1990er Jahre eine Zementinjektion die Thermalquellen von Karlsbad vor kontaminiertem Grubenwasser schützte.

Diskussionsbedarf besteht beim Stichwort Ewigkeitslasten und der schrittweisen Flutung der stillgelegten Steinkohlegruben im Saarland. Bei letzterem erfuhren die Teilnehmer, dass der Vorteil einer schrittweisen Flutung darin liegt, bei jedem Flutungsschritt entscheiden zu können, ob und wie weiter geflutet werden soll. Ein gutes Beispiel dazu ist das ehemalige Uranbergwerk Königstein in Sachsen.

Eine heftige Diskussion gab es um die Begriffe „Grubenwasseranstieg“ und „Flutung“. Aufgrund der sprachlichen Nähe zum Begriff „Flut“, der mit unbeherrschbaren Wassermassen und starken Schäden assoziiert wird, wird eine Grubenflutung oft von vornherein kategorisch abgelehnt, obwohl der Grubenwasseranstieg sich nur langsam und kontrolliert vollzieht, d.h. er kann jederzeit gestoppt werden, wenn negative oder gefährliche Folgeerscheinungen festgestellt werden.

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Prof. PD Mag. Dr. nat. techn. Sylke Hilberg

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Rainer Lüdtke, Leiter Wissenschaftsstiftungen Deutsches Stiftungszentrum

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Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Christian Melchers, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums

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